Hubwerksähnliche Anwendungen
Bei vielen Anwendungen muss zur Bewegung einer Masse die Gewichtskraft kontinuierlich überwunden werden. Wenn die Gewichtskraft in einer solchen Anwendung den wesentlichen Anteil des Lastmoments an der Motorwelle erzeugt, handelt es sich um eine "hubwerksähnliche Anwendung". Dies gilt unabhängig von der Bewegungsrichtung.
Bei der Dimensionierung von Bremsen ist diese Anwendungscharakteristik von großer Bedeutung für folgende Aspekte:
- Auswahl des Bremsmoments
- Einhaltung eines Mindestbremsmoments, um eine zuverlässige Haltefunktion und Bremsfunktion zu ermöglichen, siehe Bremsmomente.
- Art der Abschaltung
- Verwendung der schnellen Abschaltung, um die während der Reaktionszeit auftretende Drehzahlerhöhung zu begrenzen und reproduzierbare Anhaltewege zu erreichen, siehe Schaltzeiten der Bremsen und Grundlagen zu Anhalteweg und Bremsweg.
- Begrenzung zulässiger Not-Halt-Drehzahl
- Vermeidung kritischer Drehzahlen, welche die Reibwertstabilität während der Bremsung beeinträchtigen können.
- Begrenzung der zulässigen Lastbereiche/Überlastbereich
- Vermeidung einer hohen thermischen Belastung des Reibsystems, um die Reibwertstabilität zu erhalten, siehe Lastbereiche für horizontale und vertikale Anwendungen.
In den Projektierungsabläufen dieses Dokuments wird vorausgesetzt, dass "hubwerksähnliche Anwendungen" mit Regeln für die Bewegungsrichtung "vertikal" zu bewerten sind. Zusätzlich zu den Projektierungsabläufen sind die folgende Hinweise zu beachten:
- Bei vertikalen Applikationen mit Gegengewicht kann es abhängig von der Lastsituation erforderlich sein, die Berechnung der Aufwärtsfahrt nach dem Ablauf der Abwärtsfahrt und umgekehrt vorzunehmen.
- Drehwerke mit einer nicht-vertikalen Hauptachse (horizontale oder geneigte Achsen) und exzentrischen Lastverteilungen (z. B. vertikale Drehtische) sind als hubwerksähnliche Anwendung zu bewerten.
- Applikationen, die durch äußere Kräfte belastet werden, z. B. durch Windlast oder Presskräfte, sind ebenfalls als hubwerksähnliche Anwendungen zu projektieren.
- Für Sonderapplikationen, wie z. B. Wickler, Kalander oder Anwendungen mit Kurbelgetrieben, ist der Projektierungsablauf nicht ohne Weiteres anwendbar, da zusätzliche Rahmenbedingungen zu beachten sind. Diese müssen für den jeweiligen Anwendungsfall betrachtet und in einer gesonderten Berechnung berücksichtigt werden.
- Bei Wickelantrieben sind die genauen Rahmenbedingungen der Not-Halt-Bremsung sowie die zu berücksichtigenden Einflussgrößen zu betrachten, z. B., ob auftretende Zugkräfte des Wickelguts bei der Not-Halt-Bremsung mit einbezogen werden. Sofern erforderlich, sind mehrere gesonderte Berechnungen notwendig.