Vermeidung fehlerhafter Testergebnisse
Zur Vermeidung fehlerhafter Testergebnisse ist Folgendes zu beachten:
- SEW‑EURODRIVE empfiehlt vor dem Start eines statischen Bremsentests die zu testende Achse etwas zu bewegen, z. B. durch eine kurze Fahrtbewegung oder durch ein gezieltes Anfahren einer Position, an welcher der Bremsentest ausgeführt wird. Die Bewegungsfahrt stellt sicher, dass die zu testende Achse frei beweglich ist und die am Test beteiligten Geräte verfügbar sind und ordnungsgemäß funktionieren. Die Bewegungsfahrt kann über die Automatisierung der Maschine erfolgen oder als Teil des Bremsentests ausgeführt werden.
- Ein softwarebasierter Bremsentest kann typischerweise nicht direkt das vorliegende Bremsmoment an der Bremse ermitteln. Ein vom Test ermitteltes Drehmoment umfasst neben dem Bremsmoment auch applikative Drehmomente wie z. B. Reibung. Weiterhin können Messtoleranzen der verwendeten Messeinrichtungen und ein temperaturabhängiger Drehmomentverlauf des Motors zu Messabweichungen führen.
- Diese applikativen Drehmomente und die unterschiedliche Bedeutung der Bremsmomente M2 und M4,100 °C können zu einem Durchrutschen der Bremse auch deutlich außerhalb des Toleranzbereichs für das Nennbremsmoment Mbr führen.
- Durch mögliche Messabweichungen und der unterschiedlichen Bedeutung von Nennbremsmoment Mbr und dem statischen Bremsmoment M4,100 °C kann und darf ein Durchrutschen der Bremse auch deutlich außerhalb des Toleranzbereichs für das Nennbremsmoment Mbr auftreten.
Temperaturabhängiger Drehmomentverlauf des Motors
Bei Frequenzumrichtern von SEW‑EURODRIVE nimmt das Regelverfahren mit Geberrückführung einen betriebswarmen Antrieb an. Mit zunehmender Abweichung der Motor‑Betriebstemperatur gegenüber der Annahme entsteht eine Differenz zwischen dem vom Regelsystem angenommenen Drehmoment und dem vom Motor tatsächlich erzeugten Drehmoment. Insbesondere bei Anwendungen in niedrigen Umgebungstemperaturen ist dies der Fall und kann deutliche Auswirkungen haben (z. B. in Kühlhausanwendungen bei kleiner 0 °C). Dieser Effekt tritt auch bei Antrieben mit geringerer thermischer Auslastung als bei normaler Umgebungstemperatur auf.
In solchen Anwendungsfällen ist der Motor mit einem Temperatursensor, z. B. Pt1000 oder KTY auszustatten und über den Frequenzumrichter auszuwerten. Der Frequenzumrichter berücksichtigt über den Temperatursensor den realen Temperaturwert des Antriebs und kompensiert über das Regelsystem den temperaturabhängigen Drehmomentverlauf.